Advent 2017

1. DEZEMBER

Zum ersten Advent 03.12.2017: Am ersten Adventsonntag beginnt das neue Kirchenjahr, für Katholiken wie für Protestanten.

 

Advent
Anita Menger

Das Jahr geht in den Dezember.
Advent schenkt uns sein Licht.
Bei Tannenduft und Kerzenschein
zieht Frieden in die Herzen ein.
Gedanken flüstern: „Remember!“
und die Liebe spricht:
„Vergesst den Nächsten nicht!“

 


2. Dezember

 

Erhard Horst Bellermann

Wir sind verwurzelt

sagen die alten Bäume

sonst wären wir nicht


Der 1. Advent

3. Dezember

Karin Thießen

Menschliche Wärme kann den härtesten Winter überstehen.


4. DEZEMBER

 

Poldi Lembcke

Winterzeit

 

Ist das Jahr denn schon vorüber?

Gestern war noch Sommerzeit

Heute tönen Weihnachteslieder

und der Wald ist tief verschneit.

 

Den See bedeckt ein Tuch aus Eis

und klirrend kalt ist manche Nacht

Wie Zucker hat der weiße Reif

sich auf den Bäumen festgemacht.

 

Natur wird still, legt sich zur Ruh

will friche Kraft gewinnen.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu,

ein Neues wird beginnen.

 

 

 


5.  DEZEMBER

 

Bernd Siebrichs

 

Im Advent da kommt das Licht -

 

Nur die Erleuchtung folgt meist nicht

 


6. Dezember

 

Theodor Storm

 

Knecht Rupprecht (drauß vom Walde)

Von drauß vom Walde komm' ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,
Und wie ich so strolcht' durch den finstern Tann,
Da rief's mich mit heller Stimme an:
"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt' und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens ruhn;
Und morgen flieg' ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!"
Ich sprach: "O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo's eitel gute Kinder hat." -
"Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier;
Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
Essen fromme Kinder gern." -
"Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten."
Christkindlein sprach: "So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!"
Von drauß vom Walde komm' ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich's hierinnen find'!
Sind's gute Kind, sind's böse Kind?

 

 

 

 


7. Dezember

 

Theodor Fontane

 

Alles still! es tanzt der Reigen

Mondenstrahl in Wald und Flur

Und darüber trohnt das Schweigen

und der Winterhimmel nur.

 

Alles still! vergeblich lauschet

Man der Krähe heisrem Schrei

Keiner Fichte Wipfel rauschet,

Und kein Bächlein summt vorbei.

 

Alles still! die Dorfeshütten

Sind wie Gräber anzusehn,

 Die, von Schnee bedeckt, inmitten

Eines weiten Friedhofs stehn.

 

Alles still! nichts hör ich klopfen

Als mein Herze durch die Nacht

Heiße Tränen niedertropfen

Auf die kalte Winterpracht

 


8. Dezember

 

Christian Morgenstern

 

In einem leeren Haselstrauch,

da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz

und mittendrin der freche Hans.

 

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber, da schneit es, hu!
Sie rücken zusammen dicht, ganz dicht.
So warm wie der Hans hat's niemand nicht.

 

Sie hör'n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.


 

9. Dezember

 

James Krüss

 

In der Ecke eines Fensters
Unten rechts im Warenhaus,
Sitzt die Puppe Annabella
Mit dem Bären Ladislaus.

 

 

Annabella weint und jammert,
Ladislaus, der grunzt und schnauft:
Weihnachtsabend ist gekommen,
Und die zwei sind nicht verkauft.

 

 

"Armer Bär!" seufzt Annabella,
"Arme Puppe" schluchzt der Bär.
Tränen kullern in die Ecke,
Und das Herz ist beiden schwer.

 

 

In dem leeren Warenhause
Löscht man langsam Licht um Licht,
Nur in diesem einen Fenster,
Da verlöscht die Lampe nicht

 

 

Voller Mitleid mit den beiden
Läßt der brave alte Mann
Von der Wach- und Schließgesellschaft
Diese Lampe an.

 

 

Dann verläßt er Annabella
Und den Bären , welcher klagt,
Und mit sehr gepreßter Stimme
"Lebewohl" und "Servus" sagt.

 

 

In der menschenleeren Straße,
Abendstill und schneeverhüllt,
Sind die beiden in dem Fenster
Ein betrüblich Jammerbild.

 

 

Traurig vor der großen Scheibe
Fallen Flocken, leicht wie Flaum,
Und im Haus gegenüber
Glänzt so mancher Lichterbaum

 

 

Zehn Uhr schlägt's vom nahen Turme,
Und fast schlafen beide schon,
Da ertönt im Puppenhause
Laut das Puppentelefon.

 

 

"Hallo!" fragt der Bär verschlafen.
"Hier im Kaufhaus. Wer ruft an?"
Da vernimmt er eine Stimme,
Und die brummt: "Der Weihnachtsmann!"

 

 

Oh!" ruft Ladislaus erschrocken.
"Was darf's sein ich bitte sehr?"
"Eine schöne Puppenstube,
Eine Puppe und ein Bär!"

 


10. Dezember

 

Wilhelm Busch

 

Der Stern

 

 

Hätt einer auch fast mehr Verstand

 

Als wie die drei Weisen aus Morgenland

 

Und ließe sich dünken, er wär wohl nie

 

Dem Sternlein nachgereist wie sie;

 

Dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest

 

Seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt,

 

Fällt auch auf sein verständig Gesicht,

 

Er mag es merken oder nicht,

 

Ein freundlicher Strahl

 

Des Wundersternes von dazumal.