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Gab es wirklich keine andere Lösung?

Ruhender, recht gut genährter Wolf im Tierpark Järvzoo
Ruhender, recht gut genährter Wolf im Tierpark Järvzoo

Gestern (10.01.2018) hat man eine Wölfin in der Nähe von Stockholm erschossen. Schon im Dezember hatte die Landesregierung Stockholm die Wölfin zur Schutzjagd freigegeben.

 

Die junge Wölfin war aus Norwegen zugewandert und trug ein Senderhalsband. Ihr wurde zum Verhängnis, dass sie keine Scheu vor den Menschen zeigte und sich immer wieder in deren Nähe begab.

Auch diese Wölfin wurde, wie so viele andere Raubtiere, von Raubtierbefürwortern sowie Raubtierhassern instrumentalisiert.

Es gab hitzige Debatten und die Boulevardpresse schlachtete die ganze Geschichte schamlos aus.

 

Es hieß zuerst von Seiten der Landesregierung, es gibt keine Einwilligung zur Schutzjagd auf diese Wölfin.

Dann wurde aber, wie schon so oft die Frage bemüht: Kann ein Wolf Menschen gefährlich werden oder gar töten.

Und da sich die Wölfin des öfteren in der Nähe einer Grundschule aufhielt gab es natürlich Eltern, die um das Leben ihrer Kinder besorgt waren. Es bedurfte daher nur der Aussage des Wildschadenscenter (Grimsö), die da lautete: Es besteht das Risiko, dass es zu einer gefährlichen Situation kommen kann.

Nun sahen sich die Verantwortlichen der Landesregierung gezwungen die Schutzjagd zu bewilligen.

Die schwedische Raubtiervereinigung hat den Beschluss überklagt, doch das Gericht änderte den Beschluss nicht.

 

Die Wölfin ist nun tot. Sie steht stellvertretend für all die Raubtiere, die noch getötet werden, weil sie dem Menschen zu nahe kommen. Kann ein Wolf einen Menschen töten? Ja, er kann. Kann eine Kreuzotter einen Menschen töten? Ja, sie kann. Kann eine Wespe einen Menschen töten? Ja, sie kann. Kann ein Kampfhund einen Menschen töten? Ja, er kann.

Wie man sieht führt eine solche Fragestellung zu einer eindeutigen Antwort, aber nicht zur Lösung von Konflikten zwischen Mensch und Wildtier.

Vielleicht hätte man eine andere Lösung finden können. Sicherlich wäre dies für die Anwohner in dem betroffenen Gebiet mit Nachteilen verbunden gewesen, doch es wäre einen Versuch wert gewesen. 

Die endgültige Lösung, - die Tötung der Wölfin - hätte man vielleicht verhindern können.

Den Menschen, die mit Furcht auf die Anwesenheit sowie das Verhalten der Wölfin reagiert haben, ist kein Vorwurf zu machen. Viel mehr sollte man darüber nachdenken, ob es nicht unverantwortlich ist, diese Furcht für eigene Interessen zu verwenden. Es kann in der Tat sein, dass man ein Tier töten muss, weil es für Menschen zu einer Gefahr geworden ist. Doch diese Wölfin hat zu keinem Zeitpunkt einen Menschen oder ein Haustier angegriffen.

 

Niemand will in irgendeiner Form die Verantwortung übernehmen. Aber Wildtiere verantwortlich zu machen, für Nachteile die dem Menschen entstehen, dazu ist man immer bereit. So macht die Jägerschaft in Värmland die Wölfe dafür verantwortlich, dass sich der Elchbestand in einigen Jagdrevieren (Hagfors und Munkfors) verringert. Das wiederum ruft Lokalpolitiker auf den Plan, die eine höhere Quote für die Lizensjagd auf Wölfe in Värmland fordern. Gleichzeitig zeigt man sich aber erstaunt darüber, dass der Elchbestand in Värmland insgesamt gestiegen ist!!!

Schaut man sich die Abschusszahlen der Elchjagd für die besagten Gebiete an, in denen nach Aussage von Lokalpolitikern, praktisch keine Elchjagd mehr betrieben werden kann, darf man sich ebenfalls erstaunt zeigen.

In der Elchjagdsaison 2017/2018 hatte man in Hagfors eine Elchzuteilung von insgesamt 94 erwachsenen Elchen und 92 Kälbern. Geschossen wurden 94 erwachsene Elche und 87 Kälber.

In Munkfors hatte man eine Elchzuteilung von insgesamt 125 erwachsenen Elchen und 144 Kälbern. Erlegt wurden 117 erwachsene Elche und 107 Kälber.

Die Abschusszahlen sprechen für sich.

 

Und zum Abschluss: Nach Aussage des EU-Agrarkommissars Phil Hogan vom 01.12.2017 ist eine gezielte Bejagung des Wolfes zur Bestandsdezimierung weiterhin verboten. Es scheint, manche EU Gesetze  haben in Schweden keinen Bestand.

 

 

 

 

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